Finanzierung der Renten: die wichtigsten Maßnahmen

Nullrunde: Die 19,5 Millionen Rentner müssen 2004 auf eine Erhöhung ihrer Bezüge verzichten. Eine Verschiebung der Anhebung vom 1. Juli 2004 auf den 1. Januar 2005 entlastet die Rentenkasse um etwa eine Milliarde Euro. Bei der Durchschnittsrente von 1000 Euro würde dies nach Berechnungen des Sozialverbandes VdK 20 Euro monatlich ausmachen.

Beiträge zur Pflegeversicherung werden künftig allein Rentnern aufgebürdet. Von 2004 an müssen sie den Beitrag von 1,7 Prozent des Bruttoeinkommens voll tragen. Bisher zahlen Rentenversicherer die Hälfte dazu. Sie werden jetzt um etwa eine Milliarde Euro entlastet, Rentner dagegen um bis zu fünf Euro pro Monat belastet.

Spätere Auszahlung an Neu-Rentner: Eine Verschiebung der Rentenauszahlung für Neu-Rentner auf das Monatsende vom kommenden Jahr an spart etwa 750 Millionen Euro.

Schwankungsreserve: Das Finanzpolster der Rentenkassen wird von derzeit 50 Prozent einer Monatsausgabe oder rund 7,85 Milliarden Euro auf nur noch 20 Prozent abgeschmolzen. Dies ermöglicht Einsparungen von mehr als 4,7 Milliarden Euro. Mit der Liquiditätsreserve werden saisonale Schwankungen aufgefangen.

Bundeszuschuss: Der Zuschuss für die Rentenkasse sollte im kommenden Jahr um zwei Milliarden Euro gekürzt und Sozialministerin Ulla Schmidt dies als Sparbetrag für den Bundeshaushalt leisten. Dadurch hätte sich das Defizit in den Rentenkassen aber von acht auf zehn Milliarden erhöht. Um dies zu vermeiden, soll der Sparbetrag nun in Stufen von allen Ressorts aufgebracht werden. Im nächsten Jahr sollen eine Milliarde, 2005/06 der Rest erbracht werden.

Ein neuer Nachhaltigkeitsfaktor dämpft ab 2005 den Rentenanstieg. Er berücksichtigt, dass künftig noch weniger Beitragszahler mehr Rentnern gegenüber stehen. Bislang wachsen die Renten prinzipiell im Gleichschritt mit den Einkommen.

Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird zunächst nicht weiter angehoben. Eine Entscheidung, ob die Grenze von derzeit 65 Jahren von 2011 an schrittweise bis 2035 auf 67 Jahre erhöht wird, soll nicht vor 2010 fallen. Dafür soll das tatsächliche Rentenalter zwischen 2006 und 2008 bei 63 Jahren liegen. Derzeit geht der "Durchschnittsrentner" mit etwa 60 in den Ruhestand.

Ausbildungszeit : Schon von 2005 an sollen Schulbesuch und Studium bei der Berechnung des Ruhegelds nicht mehr berücksichtigt werden. Bislang werden jedem Rentner für Schul- und Unibesuch nach dem 17. Lebensjahr drei Beitragsjahre gutgeschrieben.

Rentenbesteuerung: Künftig sollen Beiträge für die Rentenversicherung schrittweise von der Steuer freigestellt und im Gegenzug die Renten stärker besteuert werden. Rot-Grün setzt damit eine Entscheidung des Verfassungsgerichts um. Mit dem Übergang zur nachgelagerten Besteuerung müssen von 2005 an die Beamtenversorgung und die gesetzliche Rente steuerlich gleich behandelt werden.

Die Riester-Rente zur privaten Vorsorge soll vereinfacht werden. Zudem soll bei der betrieblichen Altersvorsorge erworbenes Kapital bei einem Arbeitsplatzwechsel "mitgenommen" werden können.

21.10.2003 (mit tagesschau.de und FR)